Zukunftswerkstatt_2015


Bericht in der Geislinger Zeitung vom 23. Oktober 2015:

Wie muss sich der Geislinger Stadtjugendring aufstellen, wie neu orientieren, um für die kommenden Jahrzehnte gerüstet zu sein? Eine Zukunftswerkstatt im November soll die Richtung weisen.
Tabus soll und darf es nicht geben, Utopien sind ausdrücklich erwünscht: Bei der Zukunftswerkstatt des Geislinger Stadtjugendrings (SJR) am 7. November in und mit dem Mehrgenerationenhaus geht es um eine konzeptionelle Neuausrichtung und Weiterentwicklung des Dachverbands von 40 Geislinger Vereinen und Organisationen mit Jugendarbeit.
Eine wesentliche Rolle spielt laut Holger Schrag vom SJR-Vorstand, dass sich gesellschaftliche Veränderungen zwangsläufig auf die Arbeit des nun auch schon 60 Jahre alten Stadtjugendrings auswirken. Zum einen hat sich die demografische Entwicklung umgekehrt, die Zahl der Kinder und Jugendlichen sinkt – was viele Mitgliedsvereine und -verbände mittelfristig vor (existenzielle) Probleme stellt. Zum anderen verlagern sich die Interessen der Kinder und Jugendlichen – aktuell läuft an den Geislinger Schulen eine Umfrage der Stadtjugendpflege, die unter anderem auf das Freizeitverhalten der Kinder abzielt. „Vor diesem Hintergrund müssen wir uns neu aufstellen“, sagt Schrag.
Die genannten Veränderungen haben sich bereits in den vergangenen Jahren auf die Arbeit des SJR ausgewirkt. „Früher lag der Schwerpunkt im kulturellen Bereich mit Konzertveranstaltungen und dem Tag der Jugend“, sagt Schrag, „mittlerweile hat sich das Ganze verlagert in Richtung Stadtranderholung und Projektarbeit.“ Das bedeutet Abenteuerdorf und Ferienstadt, außerdem das inklusive Skatepark-Projekt in Altenstadt sowie der Dauerbrenner, der Tag der Jugend als Teil des Geislinger Stadtfests.
Deshalb sei es eine drängende Frage, ob sich der Stadtjugendring künftig verstärkt auf seine Rolle als Dienstleister konzentriert, „dann sollte aber auch mal hinterfragt werden, ob die ehrenamtlichen Strukturen noch zeitgemäß sind oder ob ein hauptamtlicher Geschäftsführer wie beim Kreisjugendring mehr Sinn macht.“
Eine andere Möglichkeit: Der Stadtjugendring verstärkt seine politische Arbeit als Interessenvertreter seiner Mitglieder sowie der rund 4000 Kinder und Jugendlichen im Großraum Geislingen. Da spielt die neue Gemeindeordnung eine entscheidende Rolle: Die sieht künftig für die Kommunen eine Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei allen sie betreffenden Entscheidungen verpflichtend vor. „Das wird eine spannende Sache“, sagt Schrag, „wir haben in Geislingen zwei Interessenvertreter der Jugend. Das ist der Stadtjugendring für die Vereine und – von kommunaler Seite – der Jugendgemeinderat, der wiederum Mitglied beim SJR ist.“ Laut der neuen Gemeindeordnung werden die Jugendgemeinderäte gestärkt, sie bekommen sowohl Rederecht wie auch Anhörungs- und Antragsrecht im Gemeinderat. Da ist zwar der Stadtjugendring außen vor. Er hat aber wiederum den Vorteil, dass er durch seine Arbeit mit Vereinen und Verwaltungsstellen auf allen Ebenen vernetzt ist.
Sollte der SJR verstärkt auf der politischen Schiene fahren, ist laut Schrag wiederum die Frage offen, wie sich die bisherigen Aufgaben weiter stemmen lassen. „Macht es dann beispielsweise Sinn, für die Stadtranderholungen und den Skatepark einen eigenen Trägerverein zu gründen oder an bestehende Träger heranzutreten?“, sagt Schrag: „Der Stadtjugendring hat zudem einen großen Materialpool und einen Verleih von Zelten, Hüpfburg und Spielgeräten. Da müsste dann die Eigentümer-Frage geklärt werden“.
Er setzt deshalb auf eine große Beteiligung an der Zukunftswerkstatt. Nicht nur die Funktionäre aus den Vereinen und Verbänden sollen dabei sein, sondern ebenso die eigentliche Zielgruppe, die Jugendlichen. „Wir wollen eine ungefilterte Bestandsaufnahme, eine aussagekräftige Stärken- und Schwächenanalyse, um den Weg abstecken zu können. Denn die Delegierten sind später die wichtigen Multiplikatoren in den Vereinen und Verbänden.“