Die Ferienstadt gehört zu Geislingen wie der Helfenstein. Nun gibt es die Ferienstadt sogar als Film. Die Doku ist am Sonntag im Gloria-Kino zu sehen.

Genau fünfeinhalb Wochen ist es her, da fiel für die 38. Auflage der Geislinger Ferienstadt auf dem Geiselstein der letzte Vorhang. Nun kehrt die Ferienstadt zurück – als Kinofilm, genauer: als 90-minütige Doku des Geislinger Stadtjugendrings (SJR). Premiere ist am Sonntag, 11 Uhr, im Geislinger Gloria-Kino.

„Ich hoffe, dass die Kids und die Eltern aus dem Kino rauslaufen und sagen: Das war gut!“, sagt Thomas Wulf vom Stadtjugendring. Der Film ist sein Baby, er war Art-Director, Regisseur, Kameramann und Produzent in Personalunion.

„Die Idee, einen Film über die Ferienstadt zu machen, kam bereits 2009 auf“, erzählt Wulf. Schon damals hielten die Betreuer mit der Kamera drauf und das Ferienstadtleben fest. „Wir haben damals viel gefilmt und das Material auch geschnitten. Aber wir hatten nur eine schlechte Kamera, das Format war noch 4:3, die Sequenzen viel zu lang. Allein das Geländespiel hat im Film 25 Minuten eingenommen“, erzählt Wulf. 107 Minuten war das Erstlingswerk des Stadtjugendrings lang, das seither in den Tiefen des SJR-Archivs vor sich hinschlummerte. „Der Film war im Endeffekt zwar ganz nett, das war es aber auch schon.“

Filmpause – Idee aber bleibt im Gedächtnis

Nun war in den folgenden Jahren zwar Filmpause, die Idee aber nie ganz vergessen. Erst als der Stadtjugendring 2012 eine neue hochauflösende Filmkamera bekam und ab 2014 noch Zugriff auf das neue Mediamobil des Kreisjugendrings mit einer weiteren HD-Kamera und zwei Go-Pros hatte – letztere kennt man vor allem als Helm- und Stuntkameras – nahm der Gedanke eines Ferienstadt-Films immer konkretere Formen an.

Wobei – die ursprüngliche Idee – dieser Film kein Werk für die Kinoleinwand werden sollte, sondern ein Lehrfilm für die Betreuer. „Anstatt bei den Betreuerschulungen alles über den Tagesablauf in der Ferienstadt wieder und wieder zu erzählen, hatten wie die Idee, das Ganze in einen Film zu packen“, sagt Holger Schrag, Vorsitzender des Stadtjugendrings und – wie auch Wulf – im vierköpfigen Leitungsteam der Ferienstadt.

Allerdings war auch der nächste Anlauf noch etwas ernüchternd. 2014 wurde in der Ferienstadt erneut gefilmt, was das Zeug hält. Allerdings war das Ergebnis erneut eher mäßig. Grundlegendes Problem: Im Prinzip filmte jeder drauflos, ohne Storyboard, ohne die Szenen groß zu durchdenken oder zu komponieren. Es fehlte der Produzent, der Supervisor, der alle Fäden in den Händen hält.

„Die Ferienstadt ist ein lebendiger Organismus“

Diesen Part übernahm im Jahr darauf Wulf, der wie Schrag eine Ausbildung zum zertifizierten Jugendmediencoach absolviert hat. Damit brachte er das notwendige Quantum Professionalität ins Filmprojekt. „Bei der Ausbildung lernt man unter anderem den Umgang mit der Kamera, lernt, mit den gängigen Schnittprogrammen zu arbeiten. Das gibt einem enorm viel Sicherheit“, erzählt Wulf. Auch die Sicherheit, einen Kinofilm zu produzieren. „Die Ferienstadt ist Emotion, ist ein lebendiger Organismus. Da reicht es nicht, den reinen Tagesablauf darzustellen“, sagt Wulf.

Der machte sich nun daran, einen Drehplan auszuarbeiten, um wirklich alle Facetten der Ferienstadt abzubilden. „Da ging es um die Fragen: Was machen wir? Was brauchen wir? Wie müssen die Szenen aussehen?“, erzählt Wulf, „von unserem Morgenkreis beispielsweise gab es immer genug Aufnahmen, vom Mittagessen dagegen gar nichts, weil da alle Betreuer eingespannt sind.“

Außerdem führte er die Arbeit mit der Videobox ein, im Prinzip nichts anderes als ein Fotoautomat, nur mit Kamera und Greenscreen, einem grünen Hintergrund, um aufgenommene Gegenstände – in diesem Fall die Kinder – freizustellen und vor einen virtuellen Hintergrund zu platzieren. „Die Kids konnten völlig ungestört vor der Kamera über ihre Erlebnisse in der Ferienstadt erzählen, so bekommt man authentische Ergebnisse.“

Das meiste Material des Kinofilms drehte Wulf bereits 2015, „in diesem Jahr haben wir in erster Linie noch fehlende Sequenzen nachgedreht“, erzählt er. Wobei nun die eigentliche Arbeit erst begann: das Schneiden. Drei Terabyte – das sind 3000 Gigabyte – an Filmmaterial hatte er am Ende zusammen, davon allein 60 Stunden aus der Videobox, „davon sind nur 15 Minuten in den Film eingearbeitet“.

450 Stunden, um die Aufnahmen zu sichten

450 Stunden brauchte Wulf, um die Aufnahmen zu sichten und zu schneiden. Ein riesiger Zeitaufwand, schließlich ist Wulf im bürgerlichen Leben noch Streetworker bei der Stadt Geislingen und musste deshalb die Schneidearbeit komplett in seiner Freizeit stemmen. „Wobei die Dreharbeiten im Vorjahr auch heftig waren. Den ganzen Tag über mit vier Kameras zu hantieren, das ist Stress pur“, sagt Wulf, der nun selbst gespannt ist, das Werk im Format 16:9 auf der Kinoleinwand zu sehen. „Wir haben da Gott sei Dank ein cooles Kino, das für solche Projekte aufgeschlossen ist. Die Familie Kern sagt da mal ganz locker, da machen wir eben eine Sondervorstellung.“

Der „Ferienstadt-Kinofilm“ – so der offizielle Titel – wird zunächst auf die Vorstellung am kommenden Sonntag beschränkt bleiben. „Online wird es ihn also vorerst nicht zu sehen geben“, sagt Schrag, „bei entsprechender Resonanz ist aber eine weitere Vorführung denkbar.“ Schließlich war die Ferienstadt für Generationen von Geislingern prägender Teil ihrer Kindheit.

Info
Der „Ferienstadt-Kinofilm“ ist am Sonntag um 11 Uhr im Geislinger Gloria-Kino zusehen. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.