Knapp 13 Monate ist es her, als der Landtag die Jugendbeteiligung an der Kommunalpolitik auf neue Beine gestellt hat. In der Gemeindeordnung ist seither verbrieft, Kinder und Jugendliche „bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen“. Das Ganze idealerweise über Jugendgemeinderäte, die – ebenfalls nach Paragraf 41a – seither ein Rede-, Anhörungs- und Antragsrecht im Gemeinderat haben.

Wobei in Geislingen das Feld eigentlich bestens bestellt ist, diese Vorgabe umzusetzen: Einen Jugendgemeinderat (JGR) gibt es in der Fünftälerstadt bereits seit 1994. Und der nimmt seine Aufgabe als Interessenvertretung der Kinder und Jugendlichen auch sehr ernst, hat beispielsweise im Vorfeld der Kommunalwahlen 2014 eine Erstwählerkampagne mitinitiiert. Seinerzeit durften erstmals schon Jugendliche ab 16 an die Wahlurne.

Eines aber fehlt noch zum großen Partizipationsglück: Es gibt bislang keine formale Regelung, keine Institutionalisierung, wie diese Jugendbeteiligung abläuft. Weshalb sich nun Jugendgemeinderat, Stadtjugendring, die Jugendhäuser und Vertreter des Stadtjugendreferats zusammengetan haben, um ein geeignetes Verfahren anzustoßen. „Das grundlegende Problem ist, dass Jugendliche gar nicht wissen, wie sie sich Gehör verschaffen können oder an wen sie sich wenden müssen“, sagt Sarah Buchwald, Geschäftsführerin des Jugendgemeinderats. Gerade in Zeiten von Mach5, der Geislinger Bürgerbeteiligung, sei es wichtig, auch die Jugendlichen an der Gestaltung ihrer Stadt zu beteiligen, betont Holger Schrag, Vorsitzender des Stadtjugendrings (SJR): „Wir müssen die jungen Menschen mitnehmen und sie begleiten.“

Um den Weg zu einer geeigneten Form der Beteiligung abstecken zu können, wird es am 24. Januar eine Jugendkonferenz in der Jahnhalle geben, mit Vertretern aller Schulen, organisiert vom Stadtjugendreferat. Das Ziel: Auszuloten, wo, wie und mit welchen Möglichkeiten sich die Kinder und Jugendlichen der Stadt einbringen können und wollen.

Der Jugendgemeinderat hat dafür schon Grundlagenarbeit geleistet. Im September startete er eine Umfrage an allen weiterführenden Schulen in Geislingen, beteiligen konnten sich die Schüler der Klassen 7 bis 13. „Wir wollen wissen: Welche Themen interessieren eigentlich die Jugendlichen? Da können plötzlich ­Themen auf den Tisch kommen, an die zuvor niemand gedacht hat. Oder wie stellen sich die Jugendlichen eine Partizipation vor, bei welchen Themen wollen sie mitreden? Und: Kennen sie überhaupt den Jugendgemeinderat?“, erklärt Kai Hummel, eins der insgesamt 26 Mitglieder des Gremiums. Die Auswertung läuft noch.

Unabhängig davon haben die eingangs genannten Institutionen vereinbart, ihre Zusammenarbeit zu vertiefen, um so den Anliegen der Jugend eine Plattform oder aber ganz einfach eine Anlaufstelle zu bieten. „Die Jugendgemeinderäte brauchen bei ihrer Arbeit Unterstützung“, erläutert Schrag. Das heißt, jeder der Partner kümmert sich um sein ureigenstes Klientel – der Jugendgemeinderat um die Schulen, aus denen ja die Mitglieder stammen, der Stadtjugendring als Dachverband um die Vereine und Institutionen, die ­Jugendarbeit betreiben, dazu noch Thomas Wulf, Streetworker der Mobilen Jugendarbeit, um die Jugendlichen, „die am Rande der Gesellschaft stehen und die sich schwertun, mit ihren Anliegen überhaupt gehört zu werden.“

Außerdem hat sich dieses Geislinger Bündnis für Jugendbeteiligung zur Aufgabe gemacht, nicht nur auf ein formales Beteiligungsverfahren hinzuarbeiten. „Es braucht auch Leute, die sich um diese Beteiligung kümmern. Das lässt sich nur hauptamtlich leisten“, sagt Schrag – etwa indem man die Zuständigkeit beim Stadtjugendreferat oder bei der Geschäftsstelle des Jugendgemeinderats ansiedelt.

Zudem, so das weitere Gedankenspiel, wäre in nächster Instanz ein ständiges Gremium mit Vertretern von JGR, SJR und Stadtjugendpflege sinnvoll. Dieses Gremium solle darüber entscheiden, ob ein Thema der Verwaltung, das in den Gemeinderat geht, jugendrelevant ist oder nicht. „Vor allem muss es die Aufgabe leisten, Inhalte aus dem oft unverständlichen Verwaltungsdeutsch in Jugendsprache zu übersetzen“, sagt Schrag: „Es muss sich zwischen Verwaltung und Jugendvertretung ein Workflow einspielen, denn von der Beteiligung profitieren alle Seiten.“

Jochen Weis, GZ