Geislingens Jugend hat gesprochen. Aus 150 Mündern, aber doch mit einer Stimme. „Es ist gut, dass die Jugendlichen mitentscheiden sollen, was in der Stadt abläuft. Schließlich weiß niemand besser als sie selbst, wo ihre Interessen liegen, welche Wünsche sie haben“, sagt Tabea Lutz (14/Michelberg-Gymnasium), ei­­ne der 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ersten Geislinger Jugendkonferenz.

Gefragt waren Visionen, wie ein jugendfreundliches Geislingen im Jahr 2022 aussehen soll, aber auch Vorschläge, wie die Zielgruppe ihre Visionen auf den Weg bringen könnte. Immerhin hatten die Teilnehmer – vertreten waren sämtliche weiterführenden Schulen der Stadt – schnell die Defizite ausgemacht, die es aus ihrer Sicht anzugehen gilt: „Eine wenig attraktive Fußgängerzone, zu wenig Freizeitangebote, zu wenig frei nutzbare Sportstätten“ fasst Maxine Reichart (14/Michelberg-Gymnasium) in wenigen Worten die allgemeine Einschätzung der Lage zusammen.

In 22 Arbeitsgruppen hatten sich die Jugendlichen und Jungerwachsenen in der Jahnhalle daran gemacht, ihre Visionen auszuarbeiten. Immer wieder fiel dabei der Wunsch nach besseren und vor allem günstigeren Busverbindungen, aber auch nach Freizeitangeboten für die Jugend – sei es ein Sportplatz oder eine Trampolinhalle mit Kletterwänden und Basketballkörben, sei es ein Abenteuerspielplatz oder ein Baggersee, sei es eine Sommerrodelbahn oder eine Graffiti-Wand. Zudem wünschen sich die Jugendlichen bessere Shopping-Möglichkeiten, darunter ein schickes Einkaufszentrum anstelle des vor sich hin darbenden Sonne-Centers. Eine Gruppe schließlich hatte keinen Wunsch, sondern einen Appell: Die Geislinger mögen doch bitte nicht nur nörgeln, sondern erstmal bei sich selbst die Fehler suchen und sich dann in die Gestaltung ihrer Stadt einbringen. Geislingens Oberbürgermeister Frank Dehmer war und ist beeindruckt von den Ergebnissen der Konferenz. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hätten viel Realitätssinn gezeigt, „da waren nur wenige utopische Anliegen dabei“. Eine Idee hat Dehmer besonders gefallen: der Baggersee für Geislingen, „weil ich diese Idee selbst schon durchgespielt habe. Das wäre durchaus eine Alternative für den teuren Freibad-Betrieb“. Zugleich gefällt Dehmer, dass sich bei vielen Jugendlichen die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass – wer etwas erreichen will – die Dinge auch „selbst angehen muss“. Wiederum Beispiel Baggersee: Da machte die Arbeitsgruppe den Vorschlag, Spenden zu sammeln, „damit die Stadt nicht so viel bezahlen muss“.

Ob und in welchem Rahmen sich Vorschläge umsetzen lassen, könnten weitere Treffen bringen. „Man muss die Jugendkonferenz wie die Auftaktveranstaltung von Mach5 verstehen, die Geislinger Bürgerbeteiligung, bei der es erst mal darum ging, Ideen zu sammeln.“ Denkbar sind laut Dehmer in der Folge Fachkonferenzen, „zum Beispiel zum Thema Sport“.

Da bekommt das Stadtoberhaupt Zustimmung von mehreren Seiten. „Denkbar wäre beispielsweise, dass die Schulsprecher im Turnus von zwei Jahren zusammenkommen“, sagt Kai Hummel vom Geislinger Jugendgemeinderat. Letzterer war gemeinsam mit Stadtjugendring und Stadtjugendreferat Veranstalter der Konferenz. Solche Treffen seien zum einen notwendig zur Erfolgskontrolle, „ob und was sich getan hat“, zum anderen, um die Stimmung unter den Jugendlichen einzufangen, „es können ja schließlich ganz neue Themen auf den Tisch kommen“.

Dem pflichtet Phuc Hoang (15/ Michelberg-Gymnasium) bei, „bei der Konferenz war alles recht vage. Wir wissen nicht, was letztendlich machbar ist und welchen offiziellen Weg wir dafür einschlagen müssen. Deshalb darf es gerne eine Wiederholung geben, bei der es mehr ins Detail geht“.

Auf der Homepage www.geislinger-jugend.de sind die Ideen und Vorschläge zusammengefasst.

Jochen Weis, GZ